|
Die MSDN-CD ist für mich schon länger die wichtigste Informationsquelle in Sachen Windows-Entwicklung. In letzter Zeit stelle ich fest, daß ich auch mehr und mehr meiner Entwicklungswerkzeuge und -Umgebungen über das MSDN-Abonnement erhalte.
Ich werde öfter einmal gefragt, was es denn Neues im Bereich der Entwicklungswerkzeuge gibt. Meist lautet meine Antwort erst einmal: „Ach, nichts besonderes". Nach einer Weile des Überlegens füge ich dann an: „Die Windows 4.0-Beta ist eingetroffen", und nach ein paar weiteren Sekunden: „Es gibt jetzt ein Toolkit für Internet-taugliche OCX-Steuerelemente". Dann fällt mir Stück für Stück ein, was es noch alles gibt: Den Internet-Explorer und den Internet Information Server, das Excel Development Kit für Windows 95, die Solutions Development CD etc.
Ein Bier für eine Beta
Irgendwann kommt dann die unvermeidliche Frage: „Wo bekommst Du denn das alles her?" Nein, es ist nicht nötig, mit Bill Gates´ besten Entwicklungsleitern ab und zu ein Bier zu trinken (obwohl das fraglos interessant wäre). All diese SDKs, Toolkits und Betaversionen sind als Bestandteil des MSDN-Abonnements für jedermann zu erwerben.
Wer immer für Microsoft-Systeme entwickelt, sollte sich dieses Abonnement leisten. Die Wahrscheinlichkeit, daß man mindestens eines der Beispielprogramme für eine eigene Anwendung ausschlachten kann, liegt bei ziemlich genau 100% – und damit wäre der Preis für das Abo bereits gespart.
Und wenn es darauf ankommt, die Funktionstüchtigkeit Ihres Programmes unter dem kommenden Windows NT 4.0 zu testen – bitte schön. Die MSDN-Abonnenten sind ab dem Level 2 (der seit neuestem Professional Edition heißt) automatisch Betatester aller Microsoft Systemprodukte. Ob das für einen Hobbyisten wesentlich ist, sei dahingestellt; aber jede Firma, die Software auf einem nennenswerten Markt anbietet, ist vor der Markteinführung einer neuen Betriebssystemsversion daran interessiert, ob denn ihre Produkte auf dem neuen System noch laufen.
Informationslogistik – was ist denn das?
Als 1990 Windows 3.0 herauskam, gab es manch langes Gesicht bei den Entwicklern, als sich nach der anfänglichen Euphorie über das Niederreißen der 640-KByte-Grenze die ersten Fragen einstellten. Es gab keinen Weg, Antworten auf die Fragen zu erhalten, wenn sie nicht zufällig irgendwo in der Dokumentation des SDK oder des DDK standen und dort auch gefunden wurden. Den technischen Support für ein System zu leisten, das von derart vielen Entwicklern genutzt wurde, entwickelte sich zu einem logistischen Problem, das sich verschärfte, je mehr Technologien Microsoft um den Windows-Kern herum gruppierte.
Man begann daher bei Microsoft, Informationen systematisch zu sammeln und neue Informationen nach einem gewissen System zu erstellen, so daß sich daraus eine zentrale Informationsdatenbank für Entwickler ergab. All diese gesammelten Informationen, White Papers, Bugreports, Beispielprogramme, Knowledge-Base-Artikel, SDK-Dokumentationen, Produktinformationen, Publikationen wie Bücher und Zeitschriften etc. sind nun auf den MSDN-CDs des Level 1 zu finden. Ich betone zu finden, denn die MSDN-Mannschaft hat keine Mühe gescheut, eine Such-Engine zu entwerfen, die an Features und Komfort ihresgleichen sucht.
Daß die Trefferquoten bei Abfragen sehr hoch sind, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. In der Redaktion des System Journals werden Leseranfragen nach dem Schema bearbeitet: „Was nicht bereits im System Journal behandelt worden war, wird auf der MSDN-CD gesucht." Es bestand eine Weile die Möglichkeit, Fragen an den Entwickler-Support bei Microsoft weiterzuleiten. Diese Möglichkeit mußte jedoch nur sehr selten in Anspruch genommen werden.
Redaktionelles I-Tüpfelchen inclusive
Aber genug der Lobhudelei, auch wenn sie verdient ist. Ich möchte noch ein wenig auf die Inhalte der MSDN-CD zu sprechen kommen. Seit der Januar-Ausgabe erscheint die CD mit einem Themenschwerpunkt. In Form eines Artikels werden dort Informationszeiger zu einem bestimmten Thema zusammengestellt. In der Januar-Version war es ein Artikel über die Entwicklung von Gerätetreibern, in der April-Version ist es – wie sollte es anders sein – die Internet-Entwicklung. Jeder Informationszeiger enthält eine Kurzbeschreibung über einen Artikel, den man mit einem Klick auf den Titel sofort bearbeiten kann. Es werden dabei nicht nur MSDN-Artikel erwähnt, sondern auch andere Quellen wie das MSJ, Dr. Dobbs Journal und diverse Bücher (jawoll – auch Unauthorized Windows). Was nicht ganz unwichtig ist: MSDN-Schreiberin Nancy Winnick Cluts sorgt mit ihrer frechen Feder dafür, daß das Ganze nicht zu trocken wird.
Im Artikel über Treiberentwicklung erfährt man zum Beispiel, daß die Dokumentation für das Windows 95-DDK vollkommen neu überarbeitet wurde und daß es zwei Wizards gibt, die dem Entwickler beim Erstellen von Gerätetreibern für Windows-NT zur Hand gehen.
Im übrigen gibt es in den Dokumentationen der DDKs sehr viele Informationen, die auch für Anwendungsentwickler interessant sind. Vielleicht interessieren Sie sich für Fragen von der Art: „Wie baut das Windows-GDI eine Linie auf", oder: „Warum zeichnet das GDI ein Rechteck nur bis right-1, bottom-1? Antworten auf diese Fragen finden Sie im DDK.
OLE-Wissen aus dem Vollen
Die OLE 2.0-Dokumentation wurde ersetzt durch das komplette Buch Inside OLE von Kraig Brockschmidt. Dieses Buch ist nicht nur wesentlich besser geschrieben als die sehr knapp gehaltende OLE-SDK-Dokumentation, es ist auch aktueller. So kommt zum Beispiel im Bereich der Automation eine neue Technologie auf uns zu, die dualen Schnittstellen. Wozu diese Schnittstellen gut sind und wie man sie implementiert beschreibt Brockschmidt im Kapitel 14 seines Buchs.
Ebenfalls in den Bereich OLE fällt der immer wieder angestrebte Versuch, Server zu schreiben, die jedes von einem Client angeforderte Objekt in einen eigenen Thread legen können. Erst seit Windows NT 3.51 und Windows 95 ist es möglich, daß mehrere Threads in einem Prozeß über die OLE-Funktionalität verfügen. Allerdings gibt es hier ein paar Einschränkungen, die man wissen sollte.
Das Modell, wie man OLE-Server auf mehrere Threads verteilen kann, nennt sich Apartment-Modell. Dabei müssen die Arbeitsthreads die Objekte, die sie anlegen, einem Haupt-thread übergeben, der die Erzeugerklassen (class factories) für die exportierten Objekte angemeldet hat und sie bei Anforderung an den Clientprozeß weiterleitet. Suchen Sie auf der MSDN-CD nach den Begriffen „OLE" und „Apartment", um mehr darüber zu erfahren.
Integration mit den Entwicklungsprodukten
Wie Sie vielleicht schon wissen, wurde die MSDN-CD in die Developer Platform von Visual C++ integriert. Die Visual C++-Online-Handbücher wurden so umgestaltet, daß sie mit dem MSDN-Viewer gelesen werden können. Damit man nicht ständig die CDs wechseln muß, wurde die Visual C++-Dokumentation gleich mit auf die MSDN-CD gepackt. Ähnlich läuft es mit Visual Basic seit der Version 4.0. Auch dieses Produkt kommt mit einem Online-Handbuch, das vom MSDN-Viewer gelesen werden kann und das sich ebenfalls auf der MSDN-CD befindet.
Was Sie alles mit Excel machen können
Aus dem bereits erwähnten Excel Development Kit for Windows 95 möchte ich noch ein paar Highlights erwähnen. Es gibt es schon seit längerem ein Excel-SDK, mit dem man Zusatzprogramme und Erweiterungen für Excel schreiben kann. Dies hat im Laufe der Zeit zu sehr beliebten Zusatz-anwendungen geführt, was vielleicht der Grund dafür ist, daß jedesmal kurz nach Erscheinen einer neuen Excel-Version ein SDK zu haben ist. In diesem SDK finden sich unter anderem:
- Eine Beschreibung des Excel-Dateiformats
- Eine Beschreibung, wie man alte 16-Bit-Erweiterungs-DLLs auf die 32-Bit-Version portiert
- Die Registrierungsschlüssel, die Excel benutzt und die Bedeutung ihrer Werte
- Dynamischer Datenaustausch und das Excel-Tabellenformat
- Ansprechen von DLLs aus Visual Basic für Applikationen
- Die Schnittstelle (API) für Dateikonvertierungen, die Excel benutzt
Dies war nur ein kurzer Auszug der Informationen, die Sie zum Thema Anwendungsentwicklung mit und für Excel finden können. Das Office for Windows 95-Development Kit, dem das Excel SDK angehört, beschreibt für sämtliche Office-Produkte, wie man deren eingebaute Sprachen (bis auf Word benutzen jetzt alle Produkte VBA) für Anwendungen einsetzen kann, die auf diesen Produkten basieren.
Nieder mit dem Tellerrand – freier Blick auf Lösungen
Last but not least möchte ich einmal auflisten, aus welchen externen Quellen die MSDN-Redaktion Artikel gesammelt hat, weil sie das Informationsangebot der MSDN-CD sinnvoll ergänzen. Zunächst einmal Artikel aus folgenden Zeitschriften:
- Access/Visual Basic Advisor
- Dr. Dobbs Journal
- Fox Talk
- Inside Visual Basic
- Inside Microsoft Access
- MSJ
- Smart Access
- Visual Basic Developer
- Visual Basic Programmers Journal
- Dazu kommen noch ein paar komplette Bücher:
- Advanced Windows NT
- Animationstechniken in Win32
- Globalization Ressource Kit
- Hardware Design Guide for Windows 95
- Inside OLE 2
- Programming Windows (Petzold)
- Programming the Windows 95 User Interface
Fazit
Ich komme sehr viel mit Softwareentwicklern zusammen und höre immer öfter, daß sie die MSDN-CD als ihre Informationsquelle Nummer 1 bezeichnen. Kein Wunder, bei dem Aufwand, den die MSDN-Redaktion in die Zusammenstellung und Aktualisierung ihres Informationsangebots steckt. Natürlich kann eine CD niemals die Printmedien wie Bücher und Zeitschriften verdrängen; aber für die schnelle Informationssuche ist sie unschlagbar.
Beitrag von Mirko Matytschak: CIS 101527,1537
|